Hallo,
ich bin zurück. Es war gruselig.
Mein Bauchgefühl flüstert mir zu: "Dieser Abend will mir etwas sagen."
Normalerweise schreibe ich mich 4-7 Tage mit Männern, bis wir uns einig sind und uns treffen wollen.
Dieses Mal war es spontan. Ein Bild, zwei Nachrichten hin und her und...?
Flop. NEIN, das Wort klingt zu banal.
Totale Katastrophe.
Der Mann war mindestens zehn Jahre älter als auf dem Foto. Im Profil stand 43 Jahre. Das war definitiv gelogen.
Er wollte sich in einer dunklen Bar treffen. Ich weiß ehrlich nicht, wie ich dazu ja sagen konnte. Als ich dort ankam, mußte ich klingeln und wurde durch einen Sehschlitz von innen begutachtet.
Eine verlebte Blondiene in Strapsen und pinken High Heels ließ mich lächelnd in eine verqualmte heruntergekommende Bar ein.
Sofort wollte ich fliehen. Es saßen nicht nur nackte rauchende Männer auf Barstühlen, es knutschten auch einige Paare in Unterwäsche auf Sitzbänken und eines mitten auf der Mini - Tanzfläche.
Ein grau melierter Herr in aufgerissenen hellen Jeans und offenem Hemd kam grinsend auf mich zu.
"Na meine Schöne", hauchte seine Bierfahne in mein Gesicht. Es schüttelt mich jetzt noch bei dieser Erinnerung. Eckelhaft. Er stellte sich als Gerd vor. Das reichte. Eine MInute später saß ich wieder in meinem Auto. Komplett geschockt.
Was war das?
Ich fuhr wie in Trance zurück ins Haus meiner Eltern, schlich mich in den Keller - suchte mir eine Wein Flasche aus und schlich in mein Zimmer. Da sitze ich nun - seit nunmehr 2 Stunden und denke über mein Leben nach. Soll es das gewesen sein?
Alle zwei Wochen ein oder zwei One-Night-Stands?
Wieso reichte mir das scheinbar?
Es dauerte drei Gläser Wein und eine Schachtel Weinbrandbohnen, bis ich eine Ahnung entziffern konnte. Ich betrachtete sie eine Weile. Dann erschien sie mir erschreckend möglich.
Sie geht ungefähr so: weil die Angst vor echter Nähe, Liebe und dem Wunsch nach Kindern und Familie schlimmer wäre als diese provozierte Einsamkeit.
#wie krass.
Ich habe inzwischen die Flasche geleert und die Weinbrandbohnen sind ebenfalls aufgefuttert. Ich bräuchte theoretisch eine happy hour. Das selbe nochmal. Nachschub, bevor ich fähig werde eine weitere Erkenntnis aufzuschreiben. Das Problem könnte aber sein, dass ich dann nicht mehr in der Lage sein werde, noch Tasten zu treffen und Sätze zu formen.
Ich hatte mir selbst versprochen alles zu fühlen und jede Erkenntnis anzunehmen, die sich mir in den nächsten Tagen zeigt.
Also?
Mir ist gerade klar geworden, dass ich die letzte Frau Fabian sein werde, die meine Familie jemals hervorbrachte.
Mein Opa hatte keine Geschwister mehr. Die Familie meiner Oma, die ich nie kennenlernen durfte, wurde im Krieg getrennt und ihre Geschwister sind nach Amerika ausgewandert.
Mein Vater wurde adoptiert und seine Eltern waren sehr alt und bereits vor meiner Geburt verstorben.
Meine Mutter war Einzelkind. Ich bin es ebenfalls geblieben.
Die Summer dieser Gleichung: Ich Dora Nora Fabian bin die letzte meiner Art.
#wie krass.
Meine Kinderlosigkeit ist der Abschied meiner Familie von diesem Planeten.
#wie krass
Adiós
Das Buch zum Blog
Dieser Blog ist eine intime Autobiografie der 34-jährigen Protagonistin des gleichnamigen Buches: "ich-kinderlos.de".
Das Buch ermöglicht Einblicke in das Leben dieser jungen Frau. Sie nimmt sich an einem traurigen Sonntag im Juli vor: innerhalb von 30 Tagen etwas dauerhaftes, etwas bleibendes zu erschaffen. Sie ist kinderlos und hat kaum noch Familie. Was bleibt, wenn sie von dieser Erde geht?
Eine spanndende Reise durch Selbsterkenntnis und Motivation. Ob es ihr gelingt?
Dieses Buch nimmt ab August 2017 am Amazon.de Kindle Storyteller Wettbewerb teil.
Empfohlener Beitrag
Tag 1 / 30 - Begrüßung
Hallo, mein Name ist Dora Nora Fabian. Ich bin 34 Jahre alt. Ich starte diesen Blog um mein Leben zu dokumentieren. Wozu? Das weiß i...
Samstag, 15. Juli 2017
Freitag, 14. Juli 2017
Tag 6 / 30 - Beerdigung
Hallo,
es ist überstanden. Wir haben ihn beerdigt und es war gut.
Ich bin selbst ganz überrascht wie friedlich und ruhig alles ablief. Der Pfarrer war sehr freundlich. Er hielt eine wirklich positive Rede und ließ kaum etwas gutes unerwähnt. Mein Opa war ein Held - könnte man denken.
Da die Worte aber nur fünf Menschen gehört haben, bleibt er nur unser Held. Ein heimlicher Held. Wie viele unentdeckte Helden es wohl gibt auf dieser Welt?
Am Grab zwitscherten Vögel. Ich habe leise geweint. Kein Vergleich zu dem Abend davor.
Unglaublich - aber es war okay.
Das was mich bestürzt ist die Tatsache, dass meine Mutter kaum da ist. Sie wandelt wie eine Untote herum. Sie sieht durch mich hindurch. Sie greift neben Gläser und Tassen und wirkt, als wäre sie gar nicht da.
Sie stellt mechanisch Fragen ohne Antworten zu erwarten. Wenn ich sie so ansehe, wirkt sie, als hätte sie eine Schock Reaktion. Blass und übermüdet glaubt man, sie klappt gleich ohnmächtig zusammen.
Das übliche Kaffetrinken nach einer Beisetzung war deshalb auch grauenhaft. Während der Zermonie waren noch zwei andere Frauen anwesend. Danach nur Papa, ich und sie. Ein Geist, anstelle meiner mutter versuchte uns zu unterhalten. Viel zu viele belegte Brötchen, Kuchen und Kaffee war aufgefahren worden in dem gemütlichen kleinen Kaffee. Wen hatte sie erwartet. Opa lebte seit über zehn Jahren in der Seniorenwohngemeinschaft. Er hat bisher alle überlebt.
Bei den letzten Neueinzügen machte er sich nicht mal mehr die Mühe sich die Namen zu merken.
"Die sterben doch sowoeso bald.", pflegte er zu sagen. Es klang nicht abwerten. Nein. Eher so, als würde er seine letzten Tage nicht mit Dingen vollstopfen, die ihn nicht interessierten. Mich hingegen fragte er immer aus. Wirklich immer. Ich besuchte ihn meist Freitag am Nachmittag. Er liebte Rumkugeln und ich hatte meine Quellen in einer Bäckerei am Stadtrand. Es war unser Ritual. Nur wir beide und die riesiegen in Kakao gewälzte Rumkugeln. Ich eine. Er zwei. Jede zweite Woche.
Heute ist auch Freitag. Ein Freitag ohne Rumkugeln. Aber vielleicht nicht ohne Rum? Ich werde nachher nochmal ins Wohnzimmer gehen und sehen, was meine Eltern treiben.
Jetzt muss ich aber mal online gehen. Üblicherweise treffe ich mich an einem Freitag Abend und an dem Samstag Abend mit einem Mann. Einem heißen Mann, wenn es gelingt ihn mit meinen Fotos und Worten von mir zu überzeugen. Ich brauche das. Alle zwei Wochen Sex mit einem Typen, den ich dann nie wieder sehe.
Ich brauche dass, wie Opa seine Rumkugeln.
Ob ich diese Gewohnheit mal überdenken sollte?
Vielleicht nachher. Jetzt checke ich erstmal meine Emails.
also,
vielleicht morgen mehr...
Adieu
es ist überstanden. Wir haben ihn beerdigt und es war gut.
Ich bin selbst ganz überrascht wie friedlich und ruhig alles ablief. Der Pfarrer war sehr freundlich. Er hielt eine wirklich positive Rede und ließ kaum etwas gutes unerwähnt. Mein Opa war ein Held - könnte man denken.
Da die Worte aber nur fünf Menschen gehört haben, bleibt er nur unser Held. Ein heimlicher Held. Wie viele unentdeckte Helden es wohl gibt auf dieser Welt?
Am Grab zwitscherten Vögel. Ich habe leise geweint. Kein Vergleich zu dem Abend davor.
Unglaublich - aber es war okay.
Das was mich bestürzt ist die Tatsache, dass meine Mutter kaum da ist. Sie wandelt wie eine Untote herum. Sie sieht durch mich hindurch. Sie greift neben Gläser und Tassen und wirkt, als wäre sie gar nicht da.
Sie stellt mechanisch Fragen ohne Antworten zu erwarten. Wenn ich sie so ansehe, wirkt sie, als hätte sie eine Schock Reaktion. Blass und übermüdet glaubt man, sie klappt gleich ohnmächtig zusammen.
Das übliche Kaffetrinken nach einer Beisetzung war deshalb auch grauenhaft. Während der Zermonie waren noch zwei andere Frauen anwesend. Danach nur Papa, ich und sie. Ein Geist, anstelle meiner mutter versuchte uns zu unterhalten. Viel zu viele belegte Brötchen, Kuchen und Kaffee war aufgefahren worden in dem gemütlichen kleinen Kaffee. Wen hatte sie erwartet. Opa lebte seit über zehn Jahren in der Seniorenwohngemeinschaft. Er hat bisher alle überlebt.
Bei den letzten Neueinzügen machte er sich nicht mal mehr die Mühe sich die Namen zu merken.
"Die sterben doch sowoeso bald.", pflegte er zu sagen. Es klang nicht abwerten. Nein. Eher so, als würde er seine letzten Tage nicht mit Dingen vollstopfen, die ihn nicht interessierten. Mich hingegen fragte er immer aus. Wirklich immer. Ich besuchte ihn meist Freitag am Nachmittag. Er liebte Rumkugeln und ich hatte meine Quellen in einer Bäckerei am Stadtrand. Es war unser Ritual. Nur wir beide und die riesiegen in Kakao gewälzte Rumkugeln. Ich eine. Er zwei. Jede zweite Woche.
Heute ist auch Freitag. Ein Freitag ohne Rumkugeln. Aber vielleicht nicht ohne Rum? Ich werde nachher nochmal ins Wohnzimmer gehen und sehen, was meine Eltern treiben.
Jetzt muss ich aber mal online gehen. Üblicherweise treffe ich mich an einem Freitag Abend und an dem Samstag Abend mit einem Mann. Einem heißen Mann, wenn es gelingt ihn mit meinen Fotos und Worten von mir zu überzeugen. Ich brauche das. Alle zwei Wochen Sex mit einem Typen, den ich dann nie wieder sehe.
Ich brauche dass, wie Opa seine Rumkugeln.
Ob ich diese Gewohnheit mal überdenken sollte?
Vielleicht nachher. Jetzt checke ich erstmal meine Emails.
also,
vielleicht morgen mehr...
Adieu
Donnerstag, 13. Juli 2017
Tag 5 / 30 - Abschied
Hallo,
heute war ein verrückter Tag. Es gab so viel zu organisieren und ich habe bis in die Nacht an Fotobüchern gebastelt.
Abschied ist zur Zeit das Thema meines Lebens.
Der Abschied von Kindern in meinem beruflichen Umfeld begegnet mir fast täglich. Hier ist es Teil eines Prozesses und wir haben Rituale z.B. Abschiedsfeste und Foto-Erinnerungsbücher, die allen helfen den Abschied erlebbar zu gestalten.
Der Tod meines Opas ist auch ein Abschied. Ein Abschied für immer.
Mir fällt auf, wieviel ich schon verabschiedet habe in meinem Leben.
Meine Kindheit, mein Teeni-Dasein und den 30 Geburtstag. Meine große Liebe und die Chance selbst Mutter zu werden. Alles verabschiedet.
Oder ist es nur weg? Nicht mehr da?
Was bedeutet >verabschieden< überhaupt. Es klingt doch irgendwie nach einer bewussten Tat. Abschied nehmen. Und wie geht das?
Ich hatte dazu im Internet recherchiert und folgendes gefunden:
Ich bezweifle jetzt gerade ob ich wirklich immer: - bewusst getrennt, losgelassen, akzeptiert und Platz für neues gemacht habe....
Jetzt wo ich so darüber nachdenke, ..... NEIN. Nicht immer.
Oh wei ...
Ich vermute, dass dies auch einige Teile meiner Traurigkeit ausmachen könnten.
Heißt dies vielleicht, dass ich erst Abschied nehmen muss - um mich dann auf etwas Neues einlassen zu können?
... hm ... das macht Sinn ... befürchte ich.
Wo habe ich noch nicht bewusst getrennt, losgelassen, akzeptiert und Platz gemacht?
Ich habe mich von Lars getrennt. Aber habe ich ihn auch los-gelassen?
hm ... ehrlich? Ich gestehe, ich schlafe heute noch in seinem Schlafanzug. Ich kuschel mich so gern in die Erinnerung, als alles noch möglich war.
Mist. Hallo - Blinder Fleck. Lars habe ich also noch nicht wirklich verabschiedet.
Wie steht es um das Thema Schwanger sein?
Akzeptiert habe ich es. Ich nehme trotzdem die Pille um keinem unmöglichen Zufall zum Opfer zu fallen, da mein rechter Eierstock noch intakt ist.
Habe ich los gelassen?
Wahrscheinlich genauso wenig, wie bei Lars. Ich kann noch immer keine frisch gebackenen Mütter und Väter ertragen. Mist. Also auch noch nicht verarbeitet. Das ist schon kein blinder Fleck mehr, das ist schon eine blinde Pfütze.
Schitt.
Ehrlich gesagt, spüre ich förmlich wie die Traurigkeit sich aufplustert und mich einhüllt, während ich hier gerade versuche mich ehrlich wahrzunehmen und zu fühlen, was in mir ist.
Das wird übermächtig. Ich kann es nicht ertragen. Ich sitze hier in dieser engen Schuhschachtel und ertrage mich selbst kaum. So kann es einfach nicht weiter gehen.
Ich muss etwas ändern.
Ich muss...
Ich muss ins Bett. Morgen ist die Beerdigung.
... vielleicht überstehe ich den morgigen Tag und dann werde ich weiter sehen,
Adieu
heute war ein verrückter Tag. Es gab so viel zu organisieren und ich habe bis in die Nacht an Fotobüchern gebastelt.
Abschied ist zur Zeit das Thema meines Lebens.
Der Abschied von Kindern in meinem beruflichen Umfeld begegnet mir fast täglich. Hier ist es Teil eines Prozesses und wir haben Rituale z.B. Abschiedsfeste und Foto-Erinnerungsbücher, die allen helfen den Abschied erlebbar zu gestalten.
Der Tod meines Opas ist auch ein Abschied. Ein Abschied für immer.
Mir fällt auf, wieviel ich schon verabschiedet habe in meinem Leben.
Meine Kindheit, mein Teeni-Dasein und den 30 Geburtstag. Meine große Liebe und die Chance selbst Mutter zu werden. Alles verabschiedet.
Oder ist es nur weg? Nicht mehr da?
Was bedeutet >verabschieden< überhaupt. Es klingt doch irgendwie nach einer bewussten Tat. Abschied nehmen. Und wie geht das?
Ich hatte dazu im Internet recherchiert und folgendes gefunden:
Also ist Abschied doch ein Prozess. Eine bewusste Aktivität.
"Abschiede sind wichtig, die erzwungenen ebenso wie die freiwilligen oder die ersehnten. Abschied heißt: Sich ganz bewusst von etwas zu trennen, die Trennung zu akzeptieren, loszulassen und sich auf das Neue einzulassen. (Tania Konnerth)"
Ich bezweifle jetzt gerade ob ich wirklich immer: - bewusst getrennt, losgelassen, akzeptiert und Platz für neues gemacht habe....
Jetzt wo ich so darüber nachdenke, ..... NEIN. Nicht immer.
Oh wei ...
Ich vermute, dass dies auch einige Teile meiner Traurigkeit ausmachen könnten.
Heißt dies vielleicht, dass ich erst Abschied nehmen muss - um mich dann auf etwas Neues einlassen zu können?
... hm ... das macht Sinn ... befürchte ich.
Wo habe ich noch nicht bewusst getrennt, losgelassen, akzeptiert und Platz gemacht?
Ich habe mich von Lars getrennt. Aber habe ich ihn auch los-gelassen?
hm ... ehrlich? Ich gestehe, ich schlafe heute noch in seinem Schlafanzug. Ich kuschel mich so gern in die Erinnerung, als alles noch möglich war.
Mist. Hallo - Blinder Fleck. Lars habe ich also noch nicht wirklich verabschiedet.
Wie steht es um das Thema Schwanger sein?
Akzeptiert habe ich es. Ich nehme trotzdem die Pille um keinem unmöglichen Zufall zum Opfer zu fallen, da mein rechter Eierstock noch intakt ist.
Habe ich los gelassen?
Wahrscheinlich genauso wenig, wie bei Lars. Ich kann noch immer keine frisch gebackenen Mütter und Väter ertragen. Mist. Also auch noch nicht verarbeitet. Das ist schon kein blinder Fleck mehr, das ist schon eine blinde Pfütze.
Schitt.
Ehrlich gesagt, spüre ich förmlich wie die Traurigkeit sich aufplustert und mich einhüllt, während ich hier gerade versuche mich ehrlich wahrzunehmen und zu fühlen, was in mir ist.
Das wird übermächtig. Ich kann es nicht ertragen. Ich sitze hier in dieser engen Schuhschachtel und ertrage mich selbst kaum. So kann es einfach nicht weiter gehen.
Ich muss etwas ändern.
Ich muss...
Ich muss ins Bett. Morgen ist die Beerdigung.
... vielleicht überstehe ich den morgigen Tag und dann werde ich weiter sehen,
Adieu
Mittwoch, 12. Juli 2017
Tag 4 / 30 - Leben und Trauer
Hallo,
heute habe ich den Tag überraschenderweise nur mit sehr lebendigen Dingen verbracht.
Ich hatte mit erfrischend ehrlichen Kollegen zu tun, habe aufgeregte Kinder erlebt, die es kaum erwarten konnten ihre Wochenergebnisse zu präsentieren.
Das Leben findet doch vor dem Tod statt. Oder?
Vielleicht ist das ein Schlüssel für die Erklärung der Traurigkeit.
Sobald ich an den Tod meines Opas denke, werde ich traurig. Ich bedaure aber nicht, dass er seinen Lebensweg beendet hat...
Heute hat mich die verrückte Erkenntnis übermannt, das ich vielleicht traurig bin, weil ich noch nicht lebe.
Also, hm ... wie erkläre ich mich nun am Geschicktesten?
Ich hatte kurzfristig die Idee, dass der Tod uns daran erinnert - dass wir leben sollten - bevor wir sterben.
Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb Trauer bei jüngeren Sterbenden anders bewertet wird als bei älteren?
Vielleicht ist das schon Teil einer Wahrheit?
Leben ist, was passiert, während man selbst versucht irgendetwas auf die Reihe zu bekommen.
Ich lebe nun schon seit 34 Jahren auf dieser Welt. Genauso lange mußte mein Opa ohne seine Frau und meine Mutter ohne ihre Mutter weiter leben. Es schien zu funktionieren. Sie haben ein lebendiges Leben geführt. Jedenfalls wirkt es all´ die Jahre so auf mich.
Ich glaube, dass was mich seit Sonntag beschäftigt, ist die Frage, was ich derzeit lebe und ob ich damit glücklich bin. Wenn ich morgen sterbe würde - hätte ich ein schönes Leben verlebt?
Die klare Antwort ist: NEIN!
Ich glaube, dass stimmt mich traurig. Ich stehe jeden Tag auf und lebe vor mich hin. Ich arbeite die Aufgaben des Tages ab und dann falle ich erschöpft ins Bett. Nicht einmal der Ort an dem ich derzeit wohne, gefällt mir.
Das ist der Grund, weshalb ich so traurig bin.
Der Tod meines Opas erinnert mich daran, dass ich derzeit nicht glücklich lebe.
Erkenntnis des Tages: Ich möchte gern Leben bevor ich sterbe.
Und wie gelingt mir dies?
Vielleicht weiß ich morgen mehr
Adieu
heute habe ich den Tag überraschenderweise nur mit sehr lebendigen Dingen verbracht.
Ich hatte mit erfrischend ehrlichen Kollegen zu tun, habe aufgeregte Kinder erlebt, die es kaum erwarten konnten ihre Wochenergebnisse zu präsentieren.
Das Leben findet doch vor dem Tod statt. Oder?
Vielleicht ist das ein Schlüssel für die Erklärung der Traurigkeit.
Sobald ich an den Tod meines Opas denke, werde ich traurig. Ich bedaure aber nicht, dass er seinen Lebensweg beendet hat...
Heute hat mich die verrückte Erkenntnis übermannt, das ich vielleicht traurig bin, weil ich noch nicht lebe.
Also, hm ... wie erkläre ich mich nun am Geschicktesten?
Ich hatte kurzfristig die Idee, dass der Tod uns daran erinnert - dass wir leben sollten - bevor wir sterben.
Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb Trauer bei jüngeren Sterbenden anders bewertet wird als bei älteren?
Vielleicht ist das schon Teil einer Wahrheit?
Leben ist, was passiert, während man selbst versucht irgendetwas auf die Reihe zu bekommen.
Ich lebe nun schon seit 34 Jahren auf dieser Welt. Genauso lange mußte mein Opa ohne seine Frau und meine Mutter ohne ihre Mutter weiter leben. Es schien zu funktionieren. Sie haben ein lebendiges Leben geführt. Jedenfalls wirkt es all´ die Jahre so auf mich.
Ich glaube, dass was mich seit Sonntag beschäftigt, ist die Frage, was ich derzeit lebe und ob ich damit glücklich bin. Wenn ich morgen sterbe würde - hätte ich ein schönes Leben verlebt?
Die klare Antwort ist: NEIN!
Ich glaube, dass stimmt mich traurig. Ich stehe jeden Tag auf und lebe vor mich hin. Ich arbeite die Aufgaben des Tages ab und dann falle ich erschöpft ins Bett. Nicht einmal der Ort an dem ich derzeit wohne, gefällt mir.
Das ist der Grund, weshalb ich so traurig bin.
Der Tod meines Opas erinnert mich daran, dass ich derzeit nicht glücklich lebe.
Erkenntnis des Tages: Ich möchte gern Leben bevor ich sterbe.
Und wie gelingt mir dies?
Vielleicht weiß ich morgen mehr
Adieu
Dienstag, 11. Juli 2017
Tag 3 / 30 - Trauer und Tod
Hallo,
Heute ist Dienstag und ich bin traurig. Heute spüre ich es wirklich.
Also am Sonntag ist mein Großvater verstorben. Das war im ersten Moment des Hörens ein Schreck und dann nur traurig. Eine zarte dauerhafte Grundtraurigkeit hat sich bei mir eingeschlichen, die mich immer fester umarmt.
Aber was genau macht mich so traurig?
Ist es wirklich der Tod meines Opas?
Was hat das mit mir zu tun?
Was ist der Teil meiner Geschichte, der mich so traurig macht?
Ist es der Tod an sich?
Heute habe ich erlebt, wie ein kleines Mädchen versucht hat, sich selbst den Tod zu erklären.
Ich fand es spannend und gleichzeitig fiel mir auf, wie unwissend wir eigentlich sind.
Wir verlieren einen Menschen. Unwiederbringlich. Es gibt ab sofort keine Chance mehr mit diesem Menschen zu sprechen, ihn etwas zu fragen oder ihm zu versichern, wie gern wir ihn hatten.
Im Grund trauern wir doch um unsere verpassten Gelegenheiten. Um unseren Verlust, diesen Menschen ab jetzt nicht mehr um uns zu wissen. Ist Trauer egoistisches Wimmern?
Heute jonglieren die verrücktestden Ideen dazu in meinem Kopf. Weshalb ist es denn so traurig?
Wir werden geboren, wir leben, wir sterben.
Das eint uns mit allem Lebendigen.
Trauere ich um eine Pflanze, die vertrocknete und stirbt, weil ich mich nicht gekümmert habe?
Trauere ich um ertränkte Fliegen in einer Kaffeetasse?
Hm...
Wo ist der Unterschied? Tod sind alle gleichermaßen. Alle nehmen nicht länger Teil am Leben. Aber sie gehörten nicht in mein emotionales Leben. Vielleicht ist das der Unterschied.
Ich hatte nur diesen einen Opa. Jetzt ist er weg. Mir ist etwas weg genommen worden und das ist möglicherweise das traurige Gefühl. Der Verlust.
Interessant ist, dass mein Opa bis zu letzt fröhlich war. Freundlich und lebensbejahend. Er hatte vor zwei Wochen gesagt, es reicht. Er hätte wirklich keine Lust mehr. Er möchte jetzt gehen.
Ich habe ihm in die gräulich überzogenen Augen geblickt und gelächelt. Klar. Es war okay. Irgendwann gehört der Tod zum Leben dazu.
Es wird gut sein, dass wusste ich in diesem Moment, als wir uns mit den Augen umarmten.
Und doch bin ich in einer Traurigkeit gefangen, die mich fast lähmt. Weshalb ist das so?
Was bedrückt mich denn nur so?
Ist es meine eigene Unfähigkeit mit dem Sterben umzugehen? Habe ich vielleicht Angst vor dem eigenen Tod?
Ich atme in diesen Gedanken hinein. Schon den ganzen Tag. Ich weiß es wirklich nicht. In den letzten Monaten hatte ich häufig so ein aufblitzendes Wirr-warr in mir. Manchmal kam eine ergebende, schlappe Worthülse herausgesprungen. Ach wäre ich doch nicht mehr hier, dann wäre alles gut.
Ist das nicht erschreckend? In der größten Verzweiflung wünsche ich mir gestorben zu sein. Aber wenn jemand real stirbt, der sich das auch wünscht - dann bin ich traurig?
Ein ungreifbares Thema. Dieses Tod-sein.
Obwohl der Zustand des Seins wahrscheinlich himmlisch friedlich ist. So wie die Stimmung auf einem Friedhof an einem sommerlichen Tag. Vögel zwitschern, Blumen blühen. Bienen summen. Alles ruht friedlich in einer bunten Vielfalt.
Was macht uns nur so traurig am Tod?
Was ist es, was mich so traurig sein läßt?
Ich weiß es einfach nicht.
vielleicht weiß ich morgen mehr...
Adieu
Heute ist Dienstag und ich bin traurig. Heute spüre ich es wirklich.
Also am Sonntag ist mein Großvater verstorben. Das war im ersten Moment des Hörens ein Schreck und dann nur traurig. Eine zarte dauerhafte Grundtraurigkeit hat sich bei mir eingeschlichen, die mich immer fester umarmt.
Aber was genau macht mich so traurig?
Ist es wirklich der Tod meines Opas?
Was hat das mit mir zu tun?
Was ist der Teil meiner Geschichte, der mich so traurig macht?
Ist es der Tod an sich?
Heute habe ich erlebt, wie ein kleines Mädchen versucht hat, sich selbst den Tod zu erklären.
Ich fand es spannend und gleichzeitig fiel mir auf, wie unwissend wir eigentlich sind.
Wir verlieren einen Menschen. Unwiederbringlich. Es gibt ab sofort keine Chance mehr mit diesem Menschen zu sprechen, ihn etwas zu fragen oder ihm zu versichern, wie gern wir ihn hatten.
Im Grund trauern wir doch um unsere verpassten Gelegenheiten. Um unseren Verlust, diesen Menschen ab jetzt nicht mehr um uns zu wissen. Ist Trauer egoistisches Wimmern?
Heute jonglieren die verrücktestden Ideen dazu in meinem Kopf. Weshalb ist es denn so traurig?
Wir werden geboren, wir leben, wir sterben.
Das eint uns mit allem Lebendigen.
Trauere ich um eine Pflanze, die vertrocknete und stirbt, weil ich mich nicht gekümmert habe?
Trauere ich um ertränkte Fliegen in einer Kaffeetasse?
Hm...
Wo ist der Unterschied? Tod sind alle gleichermaßen. Alle nehmen nicht länger Teil am Leben. Aber sie gehörten nicht in mein emotionales Leben. Vielleicht ist das der Unterschied.
Ich hatte nur diesen einen Opa. Jetzt ist er weg. Mir ist etwas weg genommen worden und das ist möglicherweise das traurige Gefühl. Der Verlust.
Interessant ist, dass mein Opa bis zu letzt fröhlich war. Freundlich und lebensbejahend. Er hatte vor zwei Wochen gesagt, es reicht. Er hätte wirklich keine Lust mehr. Er möchte jetzt gehen.
Ich habe ihm in die gräulich überzogenen Augen geblickt und gelächelt. Klar. Es war okay. Irgendwann gehört der Tod zum Leben dazu.
Es wird gut sein, dass wusste ich in diesem Moment, als wir uns mit den Augen umarmten.
Und doch bin ich in einer Traurigkeit gefangen, die mich fast lähmt. Weshalb ist das so?
Was bedrückt mich denn nur so?
Ist es meine eigene Unfähigkeit mit dem Sterben umzugehen? Habe ich vielleicht Angst vor dem eigenen Tod?
Ich atme in diesen Gedanken hinein. Schon den ganzen Tag. Ich weiß es wirklich nicht. In den letzten Monaten hatte ich häufig so ein aufblitzendes Wirr-warr in mir. Manchmal kam eine ergebende, schlappe Worthülse herausgesprungen. Ach wäre ich doch nicht mehr hier, dann wäre alles gut.
Ist das nicht erschreckend? In der größten Verzweiflung wünsche ich mir gestorben zu sein. Aber wenn jemand real stirbt, der sich das auch wünscht - dann bin ich traurig?
Ein ungreifbares Thema. Dieses Tod-sein.
Obwohl der Zustand des Seins wahrscheinlich himmlisch friedlich ist. So wie die Stimmung auf einem Friedhof an einem sommerlichen Tag. Vögel zwitschern, Blumen blühen. Bienen summen. Alles ruht friedlich in einer bunten Vielfalt.
Was macht uns nur so traurig am Tod?
Was ist es, was mich so traurig sein läßt?
Ich weiß es einfach nicht.
vielleicht weiß ich morgen mehr...
Adieu
Montag, 10. Juli 2017
Tag 2 / 30 - mein Vertrag mit mir selbst
Hallo,
ich möchte heute mein Vorhaben in die Welt senden.
Dies wird ein zeitlich begrenzter Blog, eine Art Tagebuch für mich werden.
Ich werde 30 Tage lang dokumentieren, was in mir vorgeht.
Gestern ist mein Großvater gestorben. Mein Lieblingsopa. Ehrlich gesagt: er war der einzige Opa, den ich jemals kennengelernt habe.
Seit gestern beschäftigt mich die Frage. Was bleibt, wenn wir gehen?
Mein Opa hatte ein erfülltes Leben. Jedenfalls hat er mir das in den letzten Wochen ständig versichert.
Was ist die Formel für ein erfülltes Leben?
Was bleibt, wenn keine eigenen Kinder da sind?
Ich werde selbst keine eigenen Kinder bekommen. So viel steht fest.
Was bleibt, wenn ich gehe?
Aus dieser Überlegung heraus schließe ich heute diesen Vertrag mit mir selbst ab.
Innerhalb von 30 Tagen möchte ich heraus finden, was ich der Welt zu geben habe.
Wofür ist es gut, dass es mich gibt?
Heute ist Tag 2 von 30.
Ich verspreche mich emotional auf alles einzulassen, was mir innerhalb dieser 30 Tage widerfährt.
Vielleicht weiß ich morgen schon mehr
Adieu
ich möchte heute mein Vorhaben in die Welt senden.
Dies wird ein zeitlich begrenzter Blog, eine Art Tagebuch für mich werden.
Ich werde 30 Tage lang dokumentieren, was in mir vorgeht.
Gestern ist mein Großvater gestorben. Mein Lieblingsopa. Ehrlich gesagt: er war der einzige Opa, den ich jemals kennengelernt habe.
Seit gestern beschäftigt mich die Frage. Was bleibt, wenn wir gehen?
Mein Opa hatte ein erfülltes Leben. Jedenfalls hat er mir das in den letzten Wochen ständig versichert.
Was ist die Formel für ein erfülltes Leben?
Was bleibt, wenn keine eigenen Kinder da sind?
Ich werde selbst keine eigenen Kinder bekommen. So viel steht fest.
Was bleibt, wenn ich gehe?
Aus dieser Überlegung heraus schließe ich heute diesen Vertrag mit mir selbst ab.
Innerhalb von 30 Tagen möchte ich heraus finden, was ich der Welt zu geben habe.
Wofür ist es gut, dass es mich gibt?
Heute ist Tag 2 von 30.
Ich verspreche mich emotional auf alles einzulassen, was mir innerhalb dieser 30 Tage widerfährt.
Vielleicht weiß ich morgen schon mehr
Adieu
Sonntag, 9. Juli 2017
Tag 1 / 30 - Begrüßung
Hallo,
mein Name ist Dora Nora Fabian. Ich bin 34 Jahre alt.
Ich starte diesen Blog um mein Leben zu dokumentieren.
Wozu?
Das weiß ich jetzt gerade auch nicht, aber ich muss es tun.
Ich muss einfach anfangen irgendwas zu tun.
Ich starte jetzt. Ich starte heute. Ich tue es einfach. Jetzt.
Vielleicht weiß ich morgen mehr.
Adieu
mein Name ist Dora Nora Fabian. Ich bin 34 Jahre alt.
Ich starte diesen Blog um mein Leben zu dokumentieren.
Wozu?
Das weiß ich jetzt gerade auch nicht, aber ich muss es tun.
Ich muss einfach anfangen irgendwas zu tun.
Ich starte jetzt. Ich starte heute. Ich tue es einfach. Jetzt.
Vielleicht weiß ich morgen mehr.
Adieu
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